Früher war (fast) alles… schlechter!

Vieles hat sich verändert, auch Doris Köplins Arbeitsplatz. (Bild: Maja Schröder)

„Heute ist es an der Uni besser als früher!“ Doris Köplin schaut mich über den Tisch vor dem Café Campus freundlich an. Hier sitzen wir seit etwa drei Minuten und lassen uns die Herbstsonne ins Gesicht scheinen. Obwohl wir erst so kurz miteinander reden, überrascht mich das Gespräch schon jetzt. Ob sie denn Dinge von früher vermisst, will ich von ihr wissen. Sie überlegt kurz und verneint dann entschieden. „Das hat viel mit der Einstellung zu Frauen zu tun. Das war früher viel konservativer als es heute ist.“ Eine direkte Situation will und kann sie aber nicht nennen. „Ich kann das gar nicht richtig in Worte fassen. Das war alles so subtil und selbstverständlich. Die Frau spielte eine untergeordnete Rolle. Heute ist es ganz selbstverständlich, dass die Frau gleichberechtigt ist.“

Doris Köplin arbeitet seit über 30 Jahren an der Uni.

Doris Köplin weiß, wovon sie redet. Seit 1986 arbeitet sie bereits beim Gebäudemanagement der Uni. Fünf Präsidenten und eine Präsidentin hat sie erlebt und die Veränderungen der letzten 30 Jahre hautnah mitbekommen. Da kann ich mit meinen sechs Jahren Unileben nicht mithalten. Aber deswegen ist sie für mich genau die richtige Ansprechpartnerin, wenn es um die Geschichte der Uni geht. Und damit meine ich nicht die offizielle Geschichte, die es in Chroniken und auf der Website zu lesen gibt. Heute soll es um Persönliches gehen. Auf dem braunen Tisch zwischen meiner Gesprächspartnerin und mir liegt mein Notizbuch mit meinen Fragen. Daneben mein Stift (und mein Handy für die Audio-Aufnahme – Faulheit siegt). Ich bin also bereit. Es kann losgehen.

Doris Köplin hat Einiges zu erzählen. Vieles (wenn ich ehrlich bin, alles) höre ich heute zum ersten Mal. So z.B. das: Die Uni besaß früher noch Wohnhäuser. Also nicht dieses Gästehaus, sondern ein ganzes Gebiet in der Nähe der Geowissenschaften. „Alles überwiegend Arbeiter, die im Klinikum beschäftigt waren oder in anderen Abteilungen,“ erklärt mir meine heutige Geschichtslehrerin. Wenn etwas kaputt war, musste sie dort immer hinfahren. Denn Schadensbearbeitung gehört zu ihren Aufgaben beim Gebäudemanagement genauso wie Betriebskostenabrechnung und Mietverträge. In den Wohnhäusern der Uni sei sie ganz gerne gewesen, meint Köplin. Der Grund: „Da traf sich so ein Schmelztiegel von Nationen. Da war zum Beispiel eine große Gruppe Griechen. Das waren ganz herzliche, sympathische und auch unheimlich gastfreundliche Leute.“ Das Gebiet ist jetzt allerdings verkauft, die internationalen Arbeiter ausgezogen. Also war das vielleicht doch besser früher? Doris Köplin macht nicht den Eindruck.

Heute sei es einfach weniger förmlich, weniger steif. „Ich habe Briefe gefunden, da wurde der Rektor damals noch mit Magnifizenz angesprochen. Und heute ist das alles viel lockerer. Da wird nicht mehr so drauf geachtet. Das ist schön.“ Die Uni sei heute nicht nur nach innen, sondern auch nach außen offener. Früher hätten sich Stadt und Uni wie zwei verschiedene Welten gegenübergestanden – anders als heute. Diese Veränderung hat sie hautnah miterlebt. Besonders eine Person verbindet Doris Köplin damit: „Ich glaube, der ehemalige Präsident Herr von Figura war einer der ersten, der öffentlich präsent war.“ Unvergessen sei natürlich, dass er auch mal beim DIES mitgemacht hat – wenn auch nicht sehr erfolgreich. „Er hat sich dabei ganz kompliziert das Bein gebrochen,“ erzählt mir Doris Köplin und muss ein bisschen schmunzeln. „Er hat mit Fußball gespielt. Das wäre früher undenkbar gewesen.“

Was allerdings heute nicht mehr denkbar wäre: um mit dem Auto vom Parkplatz zu kommen, die anderen Fahrzeuge wegzuschieben (ja, ihr habt richtig gelesen – aber genau so habe ich auch geguckt). Da muss ich genauer nachfragen. „Da war früher eine Brache, dort wo jetzt die SUB steht,“ zeichnet Doris Köplin das Bild in meinem Kopf. „Auf der Wiese waren so kleine Holzabgrenzungen. Und da hat man dann sein Auto hingestellt, die Handbremse nicht angezogen und den Gang rausgelassen.“ Wenn man dann am Ende des Tages wieder nach Hause wollte, hat man sich einfach den Weg freigeschoben. Schilder, die das erklären, gab es keine. „Das war allgemein bekannt.“ Auch wenn sie ihr Auto dort nicht gerne geparkt hat. „Man weiß ja nicht, in welchem Zustand man sein Auto dann irgendwann wiederfindet.“ Und als Mitarbeiterin habe sie die Möglichkeit gehabt, woanders zu parken. Die Studis haben einfach fröhlich ihre Autos durch die Gegend geschoben. Hach, die 80er!

Aber wenn es die SUB noch nicht gab, wo waren dann die Bücher? Die einfache Antwort: ausgelagert. Auch da hat Doris Köplin eine Geschichte parat: „Die Universität hatte in der Langen Geismar Straße Lagerflächen angemietet. Das ganze Gebäude war vollgestopft mit Büchern in Regalen. Bei Bedarf musste dann immer was hin- und hergefahren werden, weil man da als normaler Student nicht reinkonnte. Es war ein Magazingebäude.“ Heute ist das schon angenehmer, findet meine Gesprächspartnerin. Vor allem, dass die Ausleihe mittlerweile auch übers Internet stattfindet, sei eine große Verbesserung. (Da kann ich ihr nur zustimmen.)

Ach stimmt, das hat sie ja auch erlebt: Die Einführung der Computer im Büro. Für Doris Köplin eine große Veränderung, wie sie erzählt: „Als ich angefangen habe, gab es noch Schreibmaschinen. Und mit Glück auch einen Fotokopierer; so einen Vorläufer.“ Das hört sich mühsam an. War es auch! „Wenn ich einen Brief schreiben musste, der viele Leute betraf, dann habe ich einen Vordruck erstellt und dann mit der Schreibmaschine immer den entsprechenden Namen eingesetzt.“ Als Doris Köplin nach sechs Jahren Babypause am 1. Oktober 1999 wieder ihr Büro betrat, waren dann auf einmal die Computer da. Mit dieser Neuerung kam die Verwaltungsangestellte aber sehr gut zurecht, wie sie erzählt: „Als ich mich nach der Babypause zurückgemeldet habe, hat mein damaliger Chef mir ans Herz gelegt, ich soll doch bitte Computerkurse belegen. Das habe ich gemacht und hatte dann auch einen kleinen Vorsprung gegenüber den anderen.“

Doris Köplins Arbeitsplatz 2004: Die gelbe Fassade ist fast nicht mehr zu erkennen. (Bild: Maja Schröder)

Eine andere Veränderung an ihrem Arbeitsplatz setzte ihr da schon mehr zu: „Dass beim Gebäudemanagement im Käthe-Hamburger-Weg der Wein weggemacht wurde, darunter habe ich schon gelitten,“ erzählt mir Doris Köplin und liefert die Begründung gleich mit: „Jetzt sieht es nicht mehr so schön aus, irgendwie kahl und braun. Vorher war da ja auch Leben drin – Bienen und alles.“ Also haben wir nach fast einer halben Stunde Gespräch doch etwas gefunden, das sich zum schlechteren verändert hat; aber für ihre Grundstimmung ist das nicht ausschlaggebend. Ihre Geschichtsstunde fasst Doris Köplin dann auch selbst in einem Satz zusammen: „Es hat sich viel verändert – aber zum Positiven!“

In der Reihe Alumni-Geschichten sammeln wir Storys von ehemaligen Studierenden, Lehrenden und langjährigen Mitarbeiter_innen über die Uni. Sie haben selbst spannende Geschichten zu erzählen? Dann melden Sie sich unter blug@uni-goettingen.de!

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Verena Pauer, 27, studiert im Master Komparatistik, nach dem Bachelor in Geschichte und Deutscher Philologie. Wenn sie nicht für den Blug über den Campus läuft, ist sie mit der Kamera für das Campus-TV univision unterwegs.

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