Gute wissenschaftliche Praxis – die Ombudsstelle der Uni Göttingen

Das Semester neigt sich langsam seinem Ende zu und das bedeutet für die meisten Studierenden: Hausarbeiten schreiben! Ich als alter Soziologie-Hase habe schon mehr Hausarbeiten geschrieben, als ich an zwei Händen abzählen kann. Darum bin ich mittlerweile recht sicher darin, entsprechend den Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens vorzugehen. Vielen geht es da aber anders, insbesondere denjenigen, die noch relativ am Anfang ihres Studiums stehen (been there, done that). Grund genug, mich einmal näher mit dem Thema der „guten wissenschaftlichen Praxis“ zu befassen – und wer könnte da besser Auskunft geben, als die gleichnamige Ombudsstelle hier an der Uni Göttingen…

Ombuds…was?

„Die Ombudsstelle für gute wissenschaftliche Praxis ist die Geschäftsstelle der Universität Göttingen, die für die Annahme von Verdachtsfällen auf wissenschaftliches Fehlverhalten zuständig ist“, erklärt mir Katharina Beier, Leiterin der Ombudsstelle. „Aber nicht nur das; wenn Fragen zur guten wissenschaftlichen Praxis auftreten, wenn es vielleicht Konfliktsituationen gibt, die damit zu tun haben, dann ist die Ombudsstelle auch Ansprechpartner.“

Wissenschaftliche Grundhaltung „is key“!

„Gute wissenschaftliche Praxis, das ist ein sehr breiter Bereich“, sagt Beier weiter. „Grundsätzlich lässt sie sich mit ein paar wissenschaftlichen Grundhaltungen beschreiben. Zum Beispiel, Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen, dass fremdes Gedankengut angemessen berücksichtigt und korrekt zitiert wird, dass wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten tatsächlich auf Eigenleistung beruhen, und dass die Autoren einer Publikation auch wirklich substanziell zu diesem Werk beigetragen haben.“  Hier spielt Beier auf die sogenannte Ehren-Autorenschaft an. „Da steht dann beispielsweise jemand als Autor auf einem Paper, der nichts dazu beigetragen hat – außer, dass er oder sie Chef des Institutes ist.“ Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehöre außerdem ein integerer Umgang mit Forschungsdaten: „Hat man beispielsweise eine Messreihe, die von den übrigen Messergebnissen abweicht, darf diese natürlich nicht ‚unter den Tisch fallen‘ oder gar manipuliert werden.“

Plagiate vermeiden!

Wissenschaftliches Fehlverhalten gibt es dabei trotzdem immer wieder. Ihr bekommt bestimmt auch ab und zu die Diskussionen um Doktorarbeiten von Politiker*innen mit, in denen große Teil plagiiert sind. Klar, mal vergessen ein Zitat richtig zu kennzeichnen kann passieren. Aber im großen Stil ganze Textpassagen oder fremde Gedankengänge nicht als solche kenntlich zu machen und als die eigenen zu verkaufen, widerspricht ganz klar der guten wissenschaftlichen Praxis. Um Verstöße in wissenschaftlichen Qualifizierungsarbeiten zu erkennen, wird auch an der Universität Göttingen teilweise Software eingesetzt, die darauf spezialisiert ist, Plagiate aufzuspüren. Allerdings sei diese Software dabei nur ein Hilfsmittel, sagt Beier. Um Übereinstimmungen aufzuspüren, bedürfe es weiterhin auch einer Überprüfung durch eine fachlich versierte Person. „Zu beurteilen wie schwerwiegend der Verstoß im Einzelfall ist und was für Konsequenzen das dann nach sich zieht, ist Sache der Fakultäten“, erklärt Beier weiter. „Sie haben das Prüfungsrecht.“

Wo bekommt man Hilfe?

Wenn ihr jetzt bald wieder vor der Aufgabe steht eine Hausarbeit zu schreiben, ihr das Gefühl habt, ihr kommt nicht richtig auf den grünen Zweig und einige Fragen zum richtigen Vorgehen sind auch noch offen, dann schaut doch mal hier vorbei: Für alle an der SoWi-Fakultät gibt es zum Beispiel eine eigene Schreibberatung, aber auch das Internationale Schreibzentrum kann weiterhelfen. Dieses steht allen Studierenden, egal welchen Fachs offen und bietet Unterstützung beim gesamten Schreibprozess an – zu dem ja auch das Eingrenzen des Themas, die Recherche von geeigneter Literatur und die Strukturierung von Inhalten und Argumenten gehört. Die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens werden dabei also quasi implizit vermittelt. Das sagt auch Beier: „Beim Internationalen Schreibzentrum gibt es ein umfangreiches Angebot auch an Workshops und Kursen. Da steht dann nicht unbedingt ‚gute wissenschaftliche Praxis‘ im Titel, sondern zum Beispiel ‚Mehr als nur zitieren: Wie schreibe ich meine erste wissenschaftliche Hausarbeit‘ oder ‚Von den Daten zum Text: Wie schreibe ich in den Naturwissenschaften‘. Letztendlich geht es da ja um Arbeitsschritte, wo die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis immer mit beherzigt werden müssen.“

Zum Schluss

Eine wissenschaftliche Hausarbeit zu schreiben erscheint mir am Anfang immer wie ein hoher Berg, auf den nur ein kleiner, zugewachsener, verworrener Pfad führt. Aber je strukturierter man an die Sache herangeht, umso einfacher ist es. Darum kann ich nur jedem empfehlen, der oder die sich noch unsicher ist, sich Unterstützung zu holen und sich entsprechende Techniken anzueignen! Auch auf der Website der Uni Göttingen gibt es hilfreiche Infos, insbesondere zum Thema Plagiatsvermeidung. Und allen, die wie ich einen ausgeprägten Spieltrieb haben, empfehle ich zum Schluss nochmal dieses Quiz: How well do you know plagiarism?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.