Lernen durch Lachen

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Mikroorganismen, Linguistik, Mediävistik – Beim Göttinger Science Slam finden Wissenschaft und Humor zusammen.

„Sag das nochmal: WO gehst du heute Abend hin?“
„Zum Science Slam, Papa.“
„Und was soll das sein?“
„Also… ja… Das ist wie eine Vorlesung, nur lustig.“

Wie erklärt man am besten das Konzept des Science Slam? Vor diese Frage wurde ich während eines Telefonats mit meinem Vater gestellt. Aber eigentlich ist die Idee simpel wie genial: Nachwuchswissenschaftler/innen stellen sich vor einen gefüllten Hörsaal und haben 10 Minuten Zeit, ihre Forschung dem (meist unwissenden) Publikum auf möglichst eingängige Art und Weise näher zu bringen. Hinterher wird abgestimmt, wer den Zuschauern am besten gefallen hat.

Es ist der 14. Mai und ab 20 Uhr soll wieder im Göttinger ZHG zum 14. Mal wissenschaftlich geslamt werden. Ich bin früh da und treffe Thorben Schulte, Ko-Moderator und Teil des Orga-Teams des Göttinger Science Slams. Wie er zum wissenschaftlichen Slammen gekommen ist? „Das ging schleichend: Zuerst habe ich bei einem Poetry Slam mitgemacht, und das lief besser als erwartet“, lacht Thorben. Die Kombination von Poetry Slam und seinem naturwissenschaftlichen Studium führte ihn schließlich zum Science Slam. Und dort ist er geblieben, obwohl die Organisation nicht immer leicht ist. „Es ist oft schwierig, Slammer zu bekommen. Viele trauen sich nicht.“ Dabei ist der Science Slam offen für alle wissenschaftlichen Disziplinen: egal ob Bachelorstudium oder Promotion, Neurobiologie oder Kunstgeschichte. Oder Germanistik und Kirchenmusik. Diese Fächer hat jedenfalls Verena Romoth aus Wuppertal studiert. Für sie war es die Begeisterung für die Wissenschaft, die sie weiterverbreiten wollte und die sie den Schritt zum Science Slam machen ließ. Heute bestreitet Verena bereits ihren fünften Slam. Ob sie aufgeregt ist, vor einem voll besetzten Hörsaal zu sprechen? No way. „Ich spüre keine Nervosität, eher Vorfreude!“

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Es kann losgehen! Moderator Tobias Glufke eröffent den 14. Göttinger Science Slam.

Um 19.30 Uhr ist endlich Einlass. Während die Slammer und Slammerinnen noch genüsslich ihre Pizza verspeisen, füllt sich der Hörsaal 010 zusehends. Zwischen den studentischen Gesichtern fällt mir ein Pärchen besonders ins Auge: Für Gisela und Heinz, 70 und 71 Jahre alt, ist es heute ihr erster Science Slam – sie hatten halt mal Lust auf ein Alternativprogramm. „Wir sind neugierig geblieben“, sagt Heinz. Sehr gut, dann sind die beiden hier richtig. Neugierig waren nämlich auch die knapp 300 anderen Besucher der Veranstaltung, einschließlich mir.
Doch wer auf der Suche nach Lasern und Quantenmechanik ist, wird leider enttäuscht, denn heute Abend geht es unerwartet geisteswissenschaftlich zu: Während Verena zeigt, wie Grundschüler deutsche Komposita deuten (eine Augenweide ist eine Wiese voller Augen, ganz klar), sucht der Göttinger Slam-Novize Felix Lentge Züge der Mahrtenehe in Tolkiens Herr der Ringe. Simon Hauser aus Berlin wirft sich anschließend seine Mönchskutte über und erklärt die Leiden eines mittelalterlichen Editors. Last but not least spricht Julia Schnetzer aus Bremen über maritime Mikroorganismen und den jährlichen Ocean Sampling Day. Der Sieger wird schließlich durch Applaus bestimmt: Heute Abend klatschen die Meisten für Verena.
Kurz darauf ist der 14. Göttinger Science Slam auch schon vorbei, der Hörsaal 010 leert sich wieder und Thorben ist erleichtert: „Als Veranstalter ist man vorher immer etwas angespannt, vor allem wenn man die Slammer noch nicht kennt. Aber heute bin ich sehr zufrieden.“

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Ziel erreicht – Wissen vermittelt. Team und Teilnehmer des Science Slams.

Auch für mich war es ein voll und ganz gelungener Abend. „Sendung mit der Maus für Erwachsene“ nannte Ko-Moderator Tobias Glufke die Veranstaltung im Göttinger Tageblatt. Und er hat Recht. Der Spaß am Lernen, der im Unialltag viel zu oft verloren geht, wird beim Science Slam in seiner lebhaftesten Form zelebriert. Nicht mit Maus und Elefant, sondern mit PowerPoint und viel Humor. Man lernt, man lacht, und am Ende des Abends gehen alle, ob Studierende oder Pensionäre, ein bisschen klüger nach Hause. So werde ich es das nächste Mal auch meinem Vater beschreiben.

 

Du hast Lust bekommen, mitzuslammen, mitzuhelfen, mitzudenken? Am 21. April findet in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz schon der nächste Göttinger Science Slam statt.

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