PiA – Physik hinter jedem Türchen

Es ist kalt, draußen ist es ungemütlich, und der November neigt sich gefährlich schnell dem Ende zu. All das sind untrügliche Zeichen dafür, dass Weihnachten bald wieder vor der Tür steht. Aber Halt!, so weit sind wir ja noch gar nicht. Ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, aber für mich gehört zur Weihnachtszeit vor allem ein Adventskalender. Doch muss es immer Schokolade sein, wo man doch die ganze Weihnachtszeit über schon immer am Schlemmen ist…? Nein, muss es nicht! Während ich meine Weihnachtsplaylist schon mal Probe gehört und mich gedankenverloren durchs Internet geklickt habe, bin ich auf PiA aufmerksam geworden.

PiA? Und wer soll das sein?

Dieser hübsche Mädchenname ist in diesem Fall eine Abkürzung, und zwar für das Projekt „Physik im Advent“. Wenn ihr (wie ich) nach der zehnten Klasse nichts lieber getan habt, als Physik abzuwählen, habt ihr jetzt vielleicht einen echten Schreck bekommen. Aber lasst euch von einem alten Mathe-Muffel sagen: PiA ist wirklich ziemlich cool. Nachdem ich nämlich die Website durchstöbert habe, und sogar mein Lieblingsautor Frank Schätzing, der Astronaut Alexander Gerst (dem folge ich auf Instagram) und viele andere bekannte Personen dort begeistert über PiA reden (wer noch, das erfahrt ihr, wenn ihr auf den Player klickt), wollte ich mehr darüber herausfinden.

 

Gesagt, getan, ein paar Tage später habe ich mich aus dem bekannten Territorium des Zentralcampus aufgemacht zum fernen Nordcampus, wo sich die Fakultät für Physik befindet. „Physik im Advent existiert seit 2013, dies ist also bereits das sechste Jahr, in dem es PiA gibt“, erklärt mir Professor Arnulf Quadt, der Erfinder von PiA, der mich zu einem Gespräch zu sich ins Büro eingeladen hat. „Gestartet ist PiA eher als fixe Idee“, erzählt er weiter. Mittlerweile ist das Projekt aber zu einer wirklich großen Sache geworden. Das Prinzip ist schnell erklärt: Quadt und sein Team, insgesamt sind es sechs Leute, sammeln über das Jahr hinweg Ideen für kleine, einfach durchzuführende Experimente. In 24 kurzen Videos werden dann die benötigten Materialien – fast immer etwas, das man sowieso zu Hause hat – und der Versuchsaufbau erklärt. Am Ende steht dann eine Frage, die zu diesem Experiment beantwortet werden soll. Am nächsten Tag erscheint ein Lösungsvideo. „Einige, insbesondere viele Erwachsene, versuchen es auch häufig mit raten“, sagt Quadt und lacht. „Darauf sollte man sich aber nicht verlassen. Oft passiert dann doch etwas Anderes, als man vielleicht erwarten würde!“ Deshalb rät er, die Experimente auf jeden Fall selbst auszuprobieren, um auf die richtige Antwort zu kommen.

Punkte sammeln und gewinnen

Bei PiA kann man nämlich mit jeder richtigen Antwort Punkte sammeln und sich am Ende sein Ergebnis auswerten lassen. Quadt empfiehlt, sich als Gruppe bei PiA anzumelden, und den physikalischen Adventskalender ähnlich eines Tippspiels zu organisieren. „Zum Beispiel könnte jeder fünf Euro in eine PiA Kasse einzahlen, und derjenige aus der Gruppe, der am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt das Geld und kauft Glühwein und Kekse für alle“, schlägt er vor. Aber auch als Einzelperson kann man natürlich bei PiA mitmachen – der Gewinn ist dann einfach der Spaß, den man beim Knobeln hat. Spaß und Physik? Das dürfte für manche von uns eine ganz neue Erfahrung sein. Umso mehr ein Grund, den physikalischen Adventskalender mal auszutesten!

(c) DPG/Doklog 2015

Jeder Mensch mag Physik

Um diesem mulmigen Gefühl vorzubeugen, dass viele nicht-Naturwissenschaftler gegenüber der Physik hegen, hat Quadt sich PiA überhaupt erst ausgedacht. „Jeder Mensch mag Physik“, sagt er selbstbewusst. Ich bin mir im ersten Moment nicht so sicher, ob ich ihm da zustimmen würde. Doch seine Erklärung überzeugt mich. „Kinder machen keine Physik, sie spielen. Und dabei erfahren und entdecken Sie Physik im Alltag“, sagt Quadt. Er kritisiert, dass in Schulen häufig nur frontal und ohne eigenes Ausprobieren unterrichtet wird. Auch hier kann PiA Abhilfe schaffen: Die Experiment-Videos samt Lösungsvideos aus den vergangenen Jahren sind frei zugänglich, sodass Lehrkräfte sich dort Inspiration holen können, wie mit einfachen Mitteln physikalische Experimente von den Schüler*innen selbst durchgeführt werden können. (Was Physik mit dem Alltag zu tun hat? Hört selbst!)

 

PiA für Schulkinder

Gerade für Schulklassen ist PiA attraktiv, denn die Jahrgangsstufen fünf bis zehn können viele verschiedene Preise gewinnen. Von Tassen über Experimentiertkästen bis hin zu Tablets und Exkursionen zu großen Unternehmen ist fast alles dabei. Und dann gibt es natürlich noch den Hauptpreis: eine Reise nach Dalls zu einem Basketballspiel mit Dirk Nowitzki. Die Aussicht auf solche Gewinne motiviert gerade die Jüngeren zusätzlich. So sehr, dass besonders von Lehrer*innen überwiegend positives Feedback kommt. „Manche sagen: ,Ihr schafft es, dass die Kinder schon vor dem Unterricht über Physik reden’“, erzählt Quadt. Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, ist das definitiv schon eine Leistung.

Jede Menge Organisation

Hinter der ganzen Organisation von PiA steckt übrigens viel Arbeit. Das meiste organisiert Quadt noch immer alleine, holt sich aber Hilfe für die Website, die Ideen für die Experimente und das Filmen der Videos. Auch Studierende sind immer wieder beteiligt, und helfen mit, damit PiA jedes Jahr wieder an den Start gehen kann. „Im ersten Jahr hatten wir etwa 14.000 registrierte Teilnehmer, letztes Jahr bereits etwa 31.000“, so der Physik-Professor. Dabei gab es allein 56.000 Klicks auf das erste Aufgaben-Video. Zum Vergleich: In das Stadion von Bundesligist Vfl Wolfsburg passen maximal 30.000 Personen. Finanziert wird PiA aus Mitteln der Universität und der „Wilhelm und Else Heraeus – Stiftung“. Außerdem wird PiA von der deutschen, der europäischen und verschiedenen internationalen Physikalischen Gesellschaften unterstützt, die das Göttinger Projekt auf der ganzen Welt bekannt machen. Darum sind alle Videos auch auf Englisch verfügbar.

Mitmachen?!

Ich muss zugeben, dass ich ziemlich beeindruckt davon bin, was für ein weitreichendes Projekt PiA ist. Und während ich Professor Quadt so begeistert über PiA und die Physik im Allgemeinen reden höre, überkommt auch mich Neugier, und die Erkenntnis, dass Physik vielleicht gar nicht so sperrig und langweilig ist, wie ich es bisher immer dachte. Klar, eine zweite Lise Meitner (die Dame hat zum Beispiel an der Erklärung der Kernspaltung mitgewirkt, wer mehr über sie wissen möchte, klickt auf den Namen!) werde ich jetzt nicht. Aber bei Physik im Advent werde ich dieses Jahr definitiv mitmachen. Ihr auch?

(Noch nicht ganz überzeugt? Dann schaut euch das Video an!)

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