Die Vorhabenliste

Studieren, das ist doch alles super easy und entspannt – so stellen sich viele außenstehende ein Studium vor. Klar, beim Studieren ist man freier als noch in der Schule, gerade in Fächern, wo es nicht mal eine Anwesenheitspflicht gibt. Aber genau da liegt auch der Knackpunkt: Je weniger Struktur vorgegeben ist, umso mehr Organisation und Disziplin muss man selbst aufbringen, um den Alltag sinnvoll zu gestalten. Ganz besonders herausfordernd ist das in der momentanen Lage, wo dank der Corona-Pandemie viele ja von zu Hause aus studieren und arbeiten – das bedeutet, wir alle müssen noch eine Extraportion Selbstdisziplin aufbringen.

To-Do Listen sind oft zu unspezifisch

Ich schreibe gerade meine Masterarbeit – ein Projekt, das, Corona hin oder her, immer eine gute Organisation erfordert. Planung kann ich dabei eigentlich, denn To-Do Listen schreibe ich schon mein halbes Leben. Zugegebenermaßen bin ich aber nicht immer ganz glücklich damit. Woran das liegen könnte, erklärt mir Aljoscha Niklesz von der Zentralen Studienberatung: „Die meisten To-Do-Listen sind einfach zu lang und viel zu unspezifisch formuliert – da schafft man dann nicht alles und das führt schnell zu Frustration“. Wenn ich so darüber nachdenke, trifft das auf meine Listen schon manchmal zu. Aber was tun? Herr Niklesz schlägt mir eine Alternative vor: Die Vorhabenliste.

Vorhaben müssen konkret und realistisch sein

„Die Idee ist, dass man die Punkte, die erledigt werden sollen, begrenzt. Also zum Beispiel auf fünf – diese fünf Vorhaben sollten dann konkret und realistisch formuliert werden, sodass sie auch umsetzbar sind“, sagt Herr Niklesz. Dazu muss man einmal genau überlegen, wie viel Zeit ein Vorhaben wohl in Anspruch nehmen wird und ob das wirklich so machbar ist. Ich kann euch sagen, als einer von fünf Punkten ist „Kommentierte Gliederung schreiben“ absolut ungeeignet. Sowas schreibt sich nicht mal eben so an einem Nachmittag, ist also ein viel zu grob formuliertes Ziel. Das ist mir klar geworden, als ich damit loslegen wollte – so richtig wusste ich nicht, wo ich anfangen soll, und ob ich mit der Aufgabe an einem Tag fertig werden würde, war auch eher zweifelhaft. Frustration war also vorprogrammiert. Als ich das erkannt habe, habe ich nochmal überlegt und den Punkt dann verändert in „Kommentierte Gliederung für den theoretischen Teil der Masterarbeit schreiben“. Dieses Vorhaben ist deutlich konkreter formuliert, grenzt das Vorhaben ein und war außerdem viel realistischer umzusetzen.

Aufgaben positiv besetzen

Seine Aufgaben zu begrenzen und möglichst so zu formulieren, dass sie machbar sind, ist aber noch nicht das, was die Vorhabenliste auszeichnet. „Ganz besonders wichtig ist eigentlich, dass man sich mental mit dem Vorhaben verbindet“, verrät Herr Niklesz. „Das funktioniert am besten, wenn man sich kurz Zeit nimmt und sich vorstellt, wie man sich fühlt und was für positive Effekte es auf einen selbst und die eigene Situation hat, wenn die entsprechende Aufgabe erledigt ist.“ Mein erster Impuls war: Joa, das fühlt sich wohl gut an, wenn das mit der kommentierten Gliederung endlich erledigt ist. Das ist aber natürlich nicht ausreichend, also habe ich mir nochmal etwas mehr Mühe gegeben. Unter das Vorhaben schreibe ich darum meine Gedanken: Wenn ich diese Aufgabe erledigt habe, werde ich stolz auf mich sein und mich erfolgreich fühlen. Gelassen kann ich darauf aufbauen und die weiteren Schritte planen.

Vom Vorhaben zum tatsächlichen Tun

Wie wichtig diese gedankliche Verbindung ist, betont Herr Niklesz: „Dadurch mache ich mir klar, was wird für mich möglich, wenn dieser Punkt abgehakt ist? Und das schafft einen starken Anreiz für die Erledigung des jeweiligen Vorhabens.“ Empfohlen hat er mir dann noch den Vortrag „Erfolgreich im Studium“, zu finden auf dieser Seite. Hier wird nochmal genau erklärt, wie der Weg vom Vorhaben zum tatsächlichen Tun genau abläuft und wie wir unseren Verstand und das emotionale Erfahrungsgedächtnis so synchronisieren können, dass Handlungsblockaden gelöst werden. Schaut mal rein, es ist wirklich sehr spannend, was die mentale Verknüpfung mit positiven Motiven für eine Wirkung haben kann!

Vorhabenliste nicht nur fürs Lernen geeignet

Übrigens kann die Vorhabenliste nicht nur dafür verwendet werden, um sich besser zum lernen oder arbeiten zu motivieren. „Sie ist auch sinnvoll, um den Tag zu strukturieren und um Dinge, die erledigt werde sollen dort festzuhalten, weil man sie sonst immer im Kopf hat“, so Herr Niklesz. Auf meiner Vorhabenliste stehen deshalb neben den Punkten, die den Fortschritt meiner Masterarbeit betreffen, auch andere Dinge. „Mindmap für den BLUG Artikel erstellen“ zum Beispiel, oder auch mal „Staubsauen und den Kleiderberg wegsortieren“. Wie ich mich mental mit dieser Aufgabe verbunden habe, will ich euch nicht vorenthalten: Wenn diese Aufgabe erledigt ist, fühle ich mich verantwortungsbewusst und erwachsen. In einer aufgeräumten Wohnung kann ich abends losgelöst und in Ruhe auf der Couch entspannen.

Fazit

Wie effektiv ist die Vorhabenliste aber jetzt im Vergleich zu einer To-Do Liste? Mein Fazit fällt wirklich überraschend positiv aus! Anfangs war ich noch etwas skeptisch, was die mentale Verbindung zu den Vorhaben und meine Gefühle nach deren Erledigung betrifft. Nachdem es sich zuerst auch seltsam angefühlt hat, zu formulieren, was mir das Erledigen der Aufgaben für Benefits bringt, wurde es mit der Zeit immer leichter – und hat mir tatsächlich auch angefangen, Spaß zu machen! Herr Niklesz hat übrigens noch einen guten Tipp: „Am besten schreibt man die Liste abends vor dem Schlafen gehen. So bekommt man den Kopf frei.“ Und wenn man einen Punkt doch nicht schafft, einfach am nächsten Tag wieder mit aufnehmen. Meine Arbeitsweise hat sich durch die Vorhabenliste zwar nicht radikal verändert; wie gesagt, Listen geschrieben habe ich eigentlich schon immer. Mit dieser neuen Technik  habe ich aber das Gefühl, mir realistischere Ziele zu setzen, die ich am Ende des Tages dann auch (fast) immer geschafft habe. Außerdem hilft die Vorstellung davon, wie ich mich nach der Erledigung der Tagesziele fühle dabei, mich mit besserer Laune an die Arbeit zu machen. Ich werde diese einfache Möglichkeit des To-Do-Listen-Führens also auf jeden Fall beibehalten. Warum? Weil ich dadurch einen positiven Blick auf meine aktuellen Aufgaben gewinne und mir so immer wieder klar mache, welches große Ziel ich eigentlich erreichen will und warum.

 

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